Arbeitnehmer auf Geschäftsreise
Kevin Kleger, 2019-3-22

Wer eine Geschäftsreise antritt, hält sich aus beruflichen Gründen vorübergehend an einem anderen Ort auf. Bei der Dienstreise handelt es sich um Reisen von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes; während eine Geschäftsreise alle Mitarbeiter eines privatwirtschaftlichen Unternehmens einschliesst. Die Dienst- und Geschäftsreisen werden in der Regel vom zuständigen Vorgesetzten genehmigt und durch den Arbeitgeber finanziert. Ebenso wie für andere privat reisende Fluggäste ergeben sich für die Geschäfts- oder Dienstreisenden Probleme, wenn ihr Flug verspätet ist oder ganz gestrichen wird.

Welche Ansprüche Geschäftsreisende bei Flugproblemen haben

Bei Geschäftsreisenden greift – ebenso wie bei anderen Fluggästen – die international gültige Fluggastrechteverordnung. Die Regulierung differenziert hierbei nicht, aus welchem Grund eine Person eine Reise antritt. Deshalb gibt es für Geschäftsreisende in der Fluggastrechteverordnung keine spezifischen Regelungen. Juristische Personen und Personengesellschaften sind wiederum von der Verordnung ausgeschlossen, da sie nicht als natürliche Personen (Fluggäste) im eigentlichen Sinne zählen.

Verordnung als schützende Richtlinie für alle Reisende

Einen Anspruch auf eine Entschädigung im Falle von verspäteten oder annullierten Flügen haben alle Reisenden – gleich, wie alt sie sind und welcher Nationalität sie angehören. Solange der Fluggast – auch der Geschäftsreisende – einen bindenden Vertrag mit dem jeweiligen Luftbeförderungsunternehmen (d.h. mit der jeweiligen Airline) eingegangen ist, steht ihm im Schadensfall eine Entschädigung zu. Primär steht dem Fluggast selbst gemäss Art. 7-9 der Fluggastrechteverordnung die Entschädigungssumme zu, weniger seinem Arbeitgeber. Üblicherweise ist der Fluggast dazu angehalten, seinem Arbeitgeber sämtliche von ihm eingeräumten Geldbeträge aufgrund der arbeitsrechtlichen Bestimmungen herauszugeben. Prüfen Sie hierzu Ihren Arbeitsvertrag samt den anwendbaren Reglementen und Weisungen des Arbeitgebers.

Ausgleichleistungen als pauschalisierter Schadensersatz

Die Ausgleichsleistungen werden vom Luftbeförderungsunternehmen (d.h. der Airline) gezahlt, um die für die Gäste auftretenden Unannehmlichkeiten zu kompensieren. Insofern erhält der Geschäftsreisende mit der Ausgleichszahlung keinen arbeitsrechtlichen Vorteil. Er ist gemäss Art. 321b des Schweizerischen Obligationenrechts (Rechenschafts- und Herausgabepflicht des Arbeitnehmers) auch nicht verpflichtet, die Ausgleichszahlungen für den Arbeitgeber beim Luftfahrtunternehmen (d.h. der Airline) in Rechnung zu stellen. Gleichzeitig steht es dem Arbeitgeber wiederum zu, sich alle auftretenden Ausgleichsansprüche von ihren Angestellten abtreten zu lassen. Solche Abtretungsklauseln können bspw. im Einzelarbeitsvertrag, den allgemeinen Anstellungsbedingungen oder in Reglementen enthalten sein.

Regelungen für Betreuungsleistungen und erstattete Flugkosten

Bei den Betreuungsleistungen gilt dasselbe Prinzip wie bei den Ausgleichsleistungen. Ein Arbeitnehmer erhält keine persönlichen Vorteile gegenüber seinem Arbeitgeber, wenn er die Betreuungsleistungen der Fluggesellschaft in Anspruch nimmt. Eine Abtretung dieser Betreuungsleistungen an den Arbeitgeber, die vor Ort erbracht werden, ist nicht möglich und gesetzlich auch nicht vorgesehen. Damit ist der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Rechenschafts- und Herausgabepflicht nach Art. 321b des Schweizerischen Obligationenrechts auch nicht verpflichtet, die Betreuungsleistungen der Airline dem Arbeitgeber herauszugeben. Dies kann er schon rein praktisch nicht, da diese direkt dem Pasagier selbst zu Gute kommen.

Was die Flugkosten angeht, erstattet eine Fluggesellschaft im Verspätungs- oder Annullierungsfall die erstatteten Flugscheinkosten gemässs Art. 8 der Fluggastrechteverordnung direkt an den Passagier und damit an den Arbeitnehmer. Aufgrund der Rechenschafts- und Herausgabepflicht nach Art. 321b des Schweizerischen Obligationenrechts ist der Arbeitnehmer auch hier wieder verpflichtet, die von der Airline erstatteten Flugscheinkosten seinem Arbeitgeber herauszugeben, sofern dieser für die Flugkosten aufgekommen ist.

Entschädigung ist unabhängig von der Sitzklasse

Hinsichtlich der rechtlichen Bestimmungen im Schadensfall macht die Fluggastrechteverordnung keinerlei Unterschiede zwischen privaten und dienstlich reisenden Menschen. Doch die Geschäftsreisenden profitieren dennoch von den speziell auf berufliche Reisen zugeschnittenen Tarifen. Die Vielflieger erhalten von den Fluggesellschaften oftmals zusätzliche Rabatte oder kleine Geschenke, die sie nicht an ihren Arbeitgeber abtreten müssen. Anders als in den vorherigen Jahrzehnten reisen jedoch immer weniger Geschäftsreisende in der für sie vorgesehenen Business Class. Eine Befragung ergab, dass die Arbeitgeber aufgrund der Wirtschaftskrise und allgemeinen Sparmassnahmen inzwischen dazu tendieren, ihre Mitarbeiter eher mit der hochwertigen Premium-Economy Class fliegen zu lassen. Jedoch wirkt sich dieser Umstand rechtlich betrachtet nicht auf das Prozedere des Entschädigungsausgleichs im Schadensfall aus, da etwa bei einer Annullation sich die pauschale Entschädigung nach der Entfernung und nicht der Buchungsklasse richtet.