Codesharing – wie Passagiere zu ihrem Recht kommen
Daniel Bleuer, 2019-4-24

Welche rechtlichen Definitionen bei Entschädigungen greifen

Gemäss der Fluggastrechtverordnung steht einem Passagier eine Entschädigung zu, wenn ein Flug mehr als drei Stunden verspätet am Zielflughafen eintrifft oder gänzlich annulliert wird. Als Ansprechgegner, der für die Entschädigungszahlung belangt wird, gilt von Rechts wegen das ausführende Flugunternehmen. Für einen Codesharing-Flug bedeutet dies, dass die ausführende Fluggesellschaft für die auftretenden Entschädigungen zu belangen ist. Das „Mutterunternehmen“ ist bei entstehenden Verspätungen nur dann in der Pflicht, wenn der Flug unter der ursprünglichen Flugnummer durchgeführt wird, womit faktisch kein Codesharing vorliegt. Als ausführende Fluggesellschaft wird die Airline bezeichnet, die beim Flug das Flugzeug sowie das Kabinenpersonal bereitstellt. Es ist also unerheblich, welches Unternehmen die Passagiere beispielsweise beim Check-in abfertigt.

Wenn sich die Beförderungsbedingungen kurzfristig ändern, bleiben die rechtlichen Bedingungen hiervon unberührt. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass sich die europäischen Luftfahrtunternehmen auf Langstreckenflügen ausserhalb Europas ihren in der Fluggastrechtverordnung geregelten Bestimmungen entziehen.

Flugpassagiere profitieren von der rechtlichen Verordnung

Flugpassagiere haben es dank der europäischen Fluggastrechteverordnung wesentlich einfacher, ihre Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Denn es ist nicht als selbstverständlich vorauszusetzen, dass ein jeder Fluggast Informationen über die Airline-Allianzen mitbringt. Oftmals hat ein Passagier keine Kenntnis darüber, in welchem Verhältnis die beteiligten Fluggesellschaften zueinander stehen. Auch ist es für einen Passagier unmöglich auszumachen, welches Unternehmen für die Verspätung oder die Annullation eines Fluges verantwortlich ist.  Aus diesem Grund sieht die Fluggastrechtverordnung einen festen Ansprechpartner vor Ort vor: das ausführende Luftfahrtunternehmen, das den Flug vor Ort anbietet.

Welche rechtliche Regelung bei Multistopp-Flügen gilt

Bei einem Flug mit Zwischenstopp hat die Airline für etwaige Aufwendungen der Passagiere aufzukommen, welche die Verspätung verursacht hat. Fliegt ein Passagier beispielsweise mit der Lufthansa, verpasst aber aufgrund einer Verspätung den Weiterflug mit Condor, so hat die Lufthansa für alle Entschädigungen aufzukommen.

Ansprüche erfolgen auf Basis einer bestätigten Buchung

Ein Codesharing-Flug hat keine Auswirkungen auf das Vorgehen der Passagiere. Der Fluggast benötigt, um seine finanziellen Ansprüche gegenüber der ausführenden Fluggesellschaft geltend zu machen, weiterhin eine bestätigte Buchung. Ab einem Verspätungszeitpunkt von drei Stunden steht dem Fluggast eine finanzielle Entschädigung zu, die er direkt bei der ausführenden Fluggesellschaft einfordert. Die ausführende Airline kann von der Entschädigungspflicht nicht entbunden werden – es sei denn, es liegen aussergewöhnliche Umstände vor.  Hierbei bleibt der Entschädigungsanspruch auf die Anwendungsbestimmungen der Fluggastrechtverordnung beschränkt. Sobald der Flug ausserhalb Europas stattfindet, unterliegt er rechtlich betrachtet nur dann der Fluggastrechtverordnung, wenn das Reiseziel innerhalb Europas liegt. Auch muss die zuständige Airline ihren Sitz im europäischen Raum haben. Führt ein aussereuropäisches Flugunternehmen den Flug durch, steht dem Passagier keine Entschädigung gemäss der Fluggastrechteverordnung zu.