Der Brexit und seine Folgen für den internationalen Flugverkehr
Daniel Junginger, 2019-3-28

Natürlich bleibt das politische Vorhaben auch für den europäischen Luftverkehr nicht ohne Folgen. Internationale Medien liefern sich vielerorts quasi ein Wettrennen, was die Schreckensszenarien im Luftverkehr angeht. Bleiben alle britischen Flugzeuge am Boden? Brauchen Touristen wirklich ein Visum um nach London zu fliegen? Der nachfolgende Beitrag liefert die wichtigsten Antworten für Passagiere.

Warum EU-Reisende höchstwahrscheinlich kein Visum brauchen

 Viele Touristen und Geschäftsreisende beschäftigt die Frage, ob sie künftig nach dem geplanten Brexit ein Visum benötigen, um nach Grossbritannien einzureisen. Es ist allgemein eher unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintreten wird. Einerseits legen die Behörden grösstmöglichen Wert darauf, die Passdaten aller Reisenden zu kontrollieren. Ein denkbares Szenario könnte also sein, dass die Fluggäste künftig eine Landing Card mit persönlichen Angaben bei ihrer Ankunft am Flughafen ausfüllen müssen. Es sei auch möglich, dass die Briten künftig von allen Einreisenden aus der EU einen Reisepass verlangen. Dieser ist aber relativ unkompliziert zu erwerben. Andererseits möchten die Briten auf die Einnahmequelle „Tourismus“ nicht verzichten. Ähnlich wie in der Schweiz könnten sie eine visumfreie Einreise für Touristen für bis zu 90 Tage einführen. Mit dieser Regelung dürfte ein Grossteil der Urlauber trotz Brexit unkompliziert ins Land einreisen.

Der Brexit und seine Folgen auf die Flüge

Ein etwas heikleres Thema sind die geplanten Flüge von und nach Grossbritannien. Dem aktuellen Kenntnisstand zufolge dürfen die Fluggesellschaften, sofern sie mit Grossbritannien kein entsprechendes Abkommen abgeschlossen haben, nicht in der EU landen. Besonders die Airlines Ryanair und Easyjet sind hiervon betroffen, wobei sie bereits versuchen, Tochtergesellschaften zu gründen, um das Problem künftig zu umgehen. Wie Easyjet bekanntgab, gäbe es Pläne für die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft in Österreich. Durch die neue Tochtergesellschaft solle es möglich sein, auch nach dem Brexit europaweite Flüge von und nach Grossbritannien anzubieten.

Es sei aber allgemein anzunehmen, dass sich die internationalen Flüge aus der EU nach Grossbritannien deutlich reduzieren würden. Den Prognosen des Deutschen Reisemanagement Verbands sei mit einem Einbruch der Geschäftsreisen nach Grossbritannien zu rechnen.

Was der Brexit für die Fluggastrechte bedeutet

Auch die europäischen Fluggastrechte bleiben vom Brexit nicht unberührt. Aktuell erhalten alle Reisenden von und nach Grossbritannien unter bestimmten Bedingungen gemäss der EU-Fluggastrechteverordnung eine Entschädigung, wenn ihr Flug mehr als drei Stunden verspätet eintrifft oder annulliert wird. Was nach dem Brexit mit dem bisher gültigen Abkommen passiert, ist noch ungeklärt. Es wäre möglich, dass sich die Briten gemäss ihrer nicht-europäischen Vorbilder Norwegen und Irland orientieren und ein separates Abkommen mit der EU schliessen. Denkbar ist aber auch, dass Grossbritannien die aktuellen Fluggastrechte beibehält.

EU-Kommission entwickelt Notfallplan für harten Brexit

Bei einer Einigung könnten die Reisenden für zwei Jahre wie gewohnt nach Grossbritannien fliegen. Im Falle eines harten Brexits hat die europäische Kommission Notfallpläne angekündigt, welche den Flugverkehr zunächst auf dem Stand vom Jahr 2018 beibehalten. Somit könnten die Fluggäste ihre gebuchten Tickets weiterhin nutzen, womit eher kurzfristige Flüge von Ausfällen und Stornierungen betroffen wären. Fluggäste gehen angesichts der unübersichtlichen Lage aber auf Nummer sicher, wenn sie sich über den Brexit auf dem Laufenden halten oder in dringenden Fällen notfalls auf andere Einreisemöglichkeiten (Flüge mit Zwischenstopps, Autoreisen oder den Eurostar-Schnellzug) zurückgreifen.