Der Brexit und seine Folgen für Flughäfen und Airlines
Mirko Stocker, 2019-3-27

Im Falle eines geregelten Brexits würde der Flugverkehr für die kommenden zwei Jahre beinahe wie gewohnt weiterlaufen. Nicht so bei einem harten Brexit, der für die Flughäfen und Airlines harte Konsequenzen mit sich bringt.  Denn sobald der Brexit in Kraft tritt, ist die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA nicht mehr für Grossbritannien zuständig. Viele Fluggesellschaften, deren Eigentumsrechte nicht mit mindestens 51 Prozent in der EU liegen, müssten ihre Flugzeuge dann am Boden lassen.

Welche Airlines vom Brexit besonders betroffen sind

Einige Fluggesellschaften wären von dem harten Brexit besonders betroffen. Darunter fallen die britischen Fluggesellschaften „Easyjet“ und „British Airlines“, die von Grossbritannien aus Europa anfliegen. Da die britische Airline Easyjet jeden zweiten Flug in Richtung Europa startet, zieht das Unternehmen die Gründung einer Tochtergesellschaft in Erwägung. Auf diese Weise möchte sie den internationalen Flugverkehr weiterhin aufrechterhalten. Gleichzeitig sind auch die Fluggesellschaften betroffen, die von einem oder mehreren EU-Ländern aus Flüge nach Grossbritannien anbieten. Darunter fallen beispielsweise Ryanair, Eurowings oder Aer Lingus. Sie wären im Falle eines harten Brexits gezwungen, ihre Flüge nach Grossbritannien abzusagen, da die EASA-Zertifizierung entfiele. In diesem Falle wären Sonderregelungen notwendig, die vonseiten der EU als äusserst kostspielig eingestuft werden.

Technische Folgen sind ebenso weitreichend einzustufen

Die Airlines müssen sich darüber hinaus bei einem harten Brexit um die Zulassung ihrer Flugzeuge sorgen. Denn die in Grossbritannien veranlassten Reparaturen und Wartungen würden im europäischen Raum nicht mehr zulässig sein und anerkannt werden. Eine doppelte Zertifizierung liesse sich nur vermeiden, wenn Grossbritannien als Nicht-EU-Mitglied ein entsprechendes Abkommen mit der EASA aushandelt.

Notfallmassnahmen halten bei ungeregeltem Brexit den Flugverkehr aufrecht

Wie EU-Unterhändler bekanntgaben, ist eine Aufrechterhaltung des Flugverkehrs zwischen Grossbritannien und der EU bei einem unplanmässigen harten Brexit weiterhin gewährleistet. Die ausgestellten Sicherheitszertifikate sollen laut Plan noch für mindestens neun Monate beibehalten werden. In dieser Zeit sollten dann die Verhandlungen mit der europäischen Luftsicherheitsbehörde stattfinden, die Grossbritannien fortan als Drittstaat zertifiziert. Auf diese Weise möchte die EU Flugausfälle vermeiden. Trotz aller Notfallmassnahmen mahnt Brüssel die betroffenen Fluggesellschaften an, sich umfänglich auf alle möglichen Brexit-Szenarien einzustellen. Offiziell gilt branchenintern seit Mitte Dezember letzten Jahres der Brexit bedingte „Krisenmodus“.

Passagiere bekämen Brexit am Flughafen unmittelbar zu spüren

Nicht nur die Airlines sind vom Brexit betroffen – auch an den Flughäfen könnten chaotische Zustände eintreten. Dies ist vor allem den Zollfreimengen geschuldet, die sich bei einem Brexit erheblich verändern würden. Aktuell dürfen EU-Bürger bei der Ein- und Ausreise eine grosszügige Menge an Waren mitnehmen: darunter 800 Zigaretten und Tabakwaren und mehr als 100 Liter Bier. Nach Eintreten des Brexit ist anzunehmen, dass sich die Freimengen verändern werden. Und zwar in Richtung Nicht-EU-Staat. Viele der ein- und ausgeführten Waren müssten dann angemeldet werden, da sich die zollfreie Menge drastisch reduziere. Fluggäste könnte dann lediglich Waren im Wert von 390 Pfund und höchstens 1 Liter Alkohol nach Grossbritannien einführen. Dies führt auf den Flughäfen zu einem erheblichen Mehrbetrieb, infolgedessen der Flugverkehr und die Abfertigung der Fluggäste stark beeinträchtigt sein könnte.