Welche Unterstützungsleistungen Airlines den Passagieren schulden
Elias Reichsöllner, 2019-4-30

Verordnung räumt den beförderten Fluggästen ein Wahlrecht ein

Gemäss der Bestimmung von Artikel 8 der Fluggastrechteverordnung können die Passagiere, die von einem ausgefallenen Flug betroffen sind, zwischen den verschiedenen Unterstützungsleistungen wählen. Das bedeutet, sie entscheiden sich entweder zum ursprünglichen Abflughafen zurückzukehren, sich die Kosten für den Flug komplett erstatten zu lassen oder auf einen anderen Flug mit vergleichbaren Reisebedingungen zu bestehen. Dem ausführenden Luftfahrtunternehmen ist es laut Anordnung untersagt, das Wahlrecht der Fluggäste in irgendeiner Weise zu beschränken oder zu unterbinden.

Erstattung der Flugkosten als erste Unterstützungsleistung

Sofern sich der Fluggast bei einer Annullation oder einer Verspätung von mehr als fünf Stunden dazu entschliesst, gänzlich vom Flug zurückzutreten, muss ihm die ausführende Airline sämtliche Ticketkosten erstatten. Dies gilt für alle Flugabschnitte, die auf der ursprünglichen Route zum Zielflughafen vorgesehen sind. So muss die Airline auch für alle zurückgelegten Teilstrecken aufkommen. Damit der Erstattungsanspruch wirksam ist, muss der Fluggast diesen bei der zuständigen Airline einfordern.

Welchen rechtlichen Bestimmungen die Rückabwicklung unterliegt

Die Regelungen des europäischen Gesetzgebers hinsichtlich der Rückabwicklung variieren. Rechtlich betrachtet gilt es aufgrund der Ausgangslage zu differenzieren. Es ist erheblich, ob die Verspätung bereits am Abflugort oder erst nach einer Zwischenlandung eintritt.

  • Hebt das Flugzeug mit einer gravierenden mehrstündigen Verspätung am Abflughafen ab, kann sich ein Passagier die kompletten Ticketkosten zum ursprünglichen Flugpreis inklusive aller Steuern und Gebühren erstatten lassen. Sofern mehrere Fluggesellschaften an einem Mehrsektorenflug beteiligt sind, trägt die ausführende Airline am Abflugort alle Kosten. Der Gesetzgeber möchte mit dieser Regelung die Rechte der Fahrgäste wahren und schützen, indem er einen festen Ansprechpartner vorsieht, der für die Entschädigungen aufkommt.
  • Sofern das Flugzeug nach einer Zwischenlandung verspätet abhebt oder am Boden bleiben muss, hat der Fluggast drei unterschiedliche Optionen. Er kann sich einerseits die Ticketkosten für alle Flugabschnitte, die er nicht zurücklegen konnte, erstatten lassen. Einen festen Betrag sieht der Gesetzgeber hierbei nicht vor. Vielmehr hat die ausführende Airline die Streckenlänge ins Verhältnis mit der Gesamtstrecke zu setzen. Auf dieser Grundlage reduziert sie den Gesamtpreis und ermittelt so die offene Entschädigungssumme.
  • Falls der weitere Flug für den Fluggast aufgrund der Verspätung finanziell oder aus anderen Gründen nicht mehr tragbar ist, kann er sich die Kosten für die zurückgelegten Teilabschnitte ebenfalls erstatten lassen. Um die Zwecklosigkeit des Weiterfluges zu begründen, bedarf es einem konkreten Anlass. Dieser ist etwa dann gegeben, wenn der Passagier aufgrund der verzögerten Ankunft einen wichtigen Termin versäumt.
  • Nimmt der Passagier die weiteren Flugabschnitte nicht mehr wahr, so kann er einen Transport zum Abflugsort zum nächstmöglichen Zeitpunkt beanspruchen. Die konkreten Bedingungen für diesen Rücktransport sind in der europäischen Fluggastrechteverordnung nicht eindeutig festgelegt.
  • Die dritte Möglichkeit besteht darin, auf eine anderweitige Beförderung zum Zielort zu bestehen. Der Fluggast darf den Zeitpunkt seiner Weiterreise selbst bestimmen. Die ausführende Airline kann dem Passagier den gewünschten Flug ausschliesslich verweigern, wenn dieser bereits ausgebucht ist. Die Beförderung in einer höheren Buchungsklasse ist laut Verordnung nicht ausgeschlossen, wenn der Passagier dadurch zeitnah am Zielort eintreffen kann.

Passagieren stehen Schadensersatzansprüche zu

Sobald die ausführende Airline ihren Unterstützungsleistungen nicht nachkommt, stehen den Passagieren Schadensersatzansprüche zu. Laut dem Europäischem Gerichtshof hat ein Passagier dann einen Anspruch auf einen den individuellen Umständen angemessenen und zumutbaren Betrag. Im Einzelfall entscheiden die nationalen Gerichte über die Höhe der Entschädigungssumme.