Aussergewöhnliche Umstände: Wetter, Blitzschlag und Naturkatastrophen
Elias Reichsöllner, 2019-4-3

Welche Wetterbedingungen als aussergewöhnliche Umstände gelten

  • Ein populäres Ereignis im Flugraum kam vor einigen Jahren infolge eines Vulkanausbruchs auf Island auf. Die Flüge von und auf die Insel waren infolge der in der Luft verbliebenen Vulkanasche vorübergehend annulliert. Laut Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 31.01.2013 ist dieser Umstand als aussergewöhnlich anzusehen. Der Europäische Gerichtshof stuft das Vorkommnis als nicht beherrschbar vom Flugunternehmen ein (Aktenzeichen C-12/11).
  • Auch bei Nebel kann unter Umständen - so der Europäische Gerichtshof - aussergewöhnliche Umstände vorliegen - dies jedoch nicht immer.

Auftreten von Gewitter und Blitzeinschlägen begründet meist einen aussergewöhnlichen Umstand

Aufgrund eines Gewitters und Blitzeinschlägen kommt es häufig zu Verspätungen von Flugzeugen. Passagiere können dann nicht immer auf eine Entschädigung hoffen, wie unter anderem das Landgericht Darmstadt in einem Fall von 2013 urteilte (Aktenzeichen 7S208/12). Es bezog sich in seinem Urteil auf einen verspäteten Flug infolge eines aufgrund einer Gewitterfront notlandendenden Vorflugs. Allerdings ist die Verspätung nur dann als aussergewöhnlicher Umstand ansehbar, wenn das Flugzeug durch die Gewitterfront beschädigt wird oder nicht weiterfliegen kann. Es kommt somit auf den Zeitpunkt der Beschädigung an. Insofern ist ein Blitzschlag allein nicht der Garant für einen aussergewöhnlichen Umstand. Dies beweist ein Urteil des Amtsgerichts Erding (Aktenzeichen 3C719/12), das auf einen durchgeführten Vorflug Bezug nimmt. Denn dieser Umstand gelte vielmehr als betriebswirtschaftliches Risiko, das eine Airline mit ihren engen Zeitplänen in Kauf nimmt. Im Falle von aus vorherigen Flügen resultierenden Verspätungen sei eine Airline immer dazu angehalten, eine Ersatzmaschine bereitzustellen, um einen reibungslosen betrieblichen Ablauf auch weiterhin zu gewährleisten.

Eine ähnliche Situation ergibt sich für diejenigen Passagiere, welche am Folgetag eines Unwetters reisen. Eine Fluggesellschaft kann sich zu diesem Zeitpunkt nicht (mehr) auf aussergewöhnliche Umstände infolge eines Blitzeinschlags berufen. Denn sie hat genug Zeit, um entsprechend zu reagieren und eine Ersatzmaschine aus ihrer Flotte zur Verfügung zu stellen. Insofern dürfen die am Folgetag reisenden Gäste ab einer Verspätung von mehr als drei Stunden eine in der EU-Verordnung festgeschriebene Entschädigungssumme geltend machen.

Enteisung gilt nicht immer als aussergewöhnlicher Umstand

Im Winter kann ein Flugzeug infolge von plötzlichen Schneestürmen und Schneeverwehungen vereisen. Einer Fluggesellschaft kommt die Aufgabe zu, ihre Flotte schnellstmöglich für die anstehenden Flüge zu enteisen. Diese Massnahme wird oftmals von einem externen Unternehmen im Pflichtenkreis des Luftfahrtunternehmens ausgeführt. Wenn ein Flugzeug enteist werden muss und verspätet startet, dürfen Passagiere dennoch auf eine Entschädigung hoffen. Die Amtsgerichte in Frankfurt und Wien bewerten eine Enteisung als normalen Vorgang im betrieblichen Ablauf, der im Winter zu erwarten sei. Aus diesem Grund bewertet das Bezirksgericht Wien eine Verspätung durch Enteisung nicht als aussergewöhnlichen Umstand (Aktenzeichen 16C194/15v-12). In solchen Fällen ist es für Passagiere ratsam, mit ihrem Anliegen an unser Spezialisten-Team bei LegalFly heranzutreten, um den Fall prüfen zu lassen. Bei Schneeverwehungen und Enteisungen besteht, anders als bei den meisten Naturkatastrophen, durch den fehlenden aussergewöhnlichen Umstand durchaus ein Anspruch auf Entschädigung.