Wie bestimmen Airlines die Flugticketpreise? 
Mirko Stocker, 2019-3-14

Vielflieger-Passagiere kennen die nachfolgende Problematik: Das Auf und Ab der Ticketpreise. Vielen kommen die Ticketpreise manchmal wie ein Glücksspiel vor. Ein Schnäppchenflug kann binnen weniger Stunden das Doppelte oder Dreifache des ursprünglichen Preises kosten. Wer sich mit der Materie nicht auskennt, kann oftmals nicht nachvollziehen, wie die Airlines ihre Flugpreise bestimmen. Wie genau die Preise festgelegt werden ist jedoch ohne Einblick in die Algorithmen der Airline unmöglich zu bestimmen. Es gibt verschiedene Faktoren, die vermutlich einen Einfluss auf die Flugpreisentwicklung haben. 

  • Die Preise für ein Flugticket unterscheiden sich von Airline zu Airline. 
  • An Wochentagen sind die Flugtickets günstiger als am Wochenende, da die Nachfrage am Samstag und Sonntag enorm gross ist. Dienstag reisen Flugpassagiere eher preisgünstig, Samstag hingegen greifen sie für ein Flugticket tiefer in die Tasche als bei einer Buchung unter der Woche. 
  • Der Buchungszeitraum hat scheinbar einen Einfluss auf den Preis des Flugtickets. Wer in den Nachmittagsstunden bucht, zahlt mitunter für einen angebotenen Flug mehr als am Vormittag. 

Airlines arbeiten für die Preisbestimmung von Flugtickets mit Prognosesystemen 

Eine Airline kann das Angebot oftmals anhand der aktuellen Nachfrage anpassen. Hierfür setzt sie sogenannte Prognosesysteme ein. Die Programme arbeiten mit den Daten aus der Vergangenheit, um die ungefähre Nachfrage für zukünftige Flüge zu bestimmen. Die Termine von Schulferien, die Haupturlaubszeit oder wichtige Events fliessen ebenfalls in die Analyse ein. Durch die Analyse stellt das Programm verschiedene Buchungsklassen zusammen. Somit steht die preisliche Struktur oftmals lange fest, bevor der erste Passagier online oder am Schalter ein Flugticket erworben hat. 

Falls für eine Airline eine grosse Nachfrage absehbar ist, stellt sie von vornherein keine oder wenig günstige Flugtickets bereit. Sofern mit einer geringen Nachfrage zu rechnen ist – etwa an bestimmten Feiertagen oder für Geschäftsreisen am Wochenende – kalkuliert eine Airline günstigere Sitzplätze ein. Solche Programme der Airlines können deshalb als Ursache identifiziert werden, warum es auf einer Flugstrecke immer wieder zu preislichen Schwankungen kommt. Bei einer halb vollen Maschine beginnt das Prognosesystem irgendwann, die billigsten Buchungsklassen zu streichen. Falls die restlichen Sitzplätze vor dem Abflug nicht wie erwartet alle gebucht werden, stehen die preiswerten Kontingente abermals bereit. 

Ticketpreise werden mehrmals täglich neu berechnet 

Für Kunden ist es schwierig bis unmöglich, die komplizierten Algorithmen solcher Programme zu durchschauen. Doch der Mathematiker Carl de Marcken macht sich genau dieses Unterfangen zur Aufgabe. Er versuchte anhand von Untersuchungen den Preisalgorithmen der Airline auf den Grund zu gehen. Dafür machte er es sich zum Ziel, beispielhaft den billigsten Rundflug von Boston bis nach San Francisco zu finden. Hierfür errechnete das Team bis zu 25 Millionen verschiedener Varianten für eine einzelne Airline. Aufgrund des komplexen Systems konnten die hochbegabten Forscher keine eindeutige Antwort finden – um dieses Rätsel zu entschlüsseln würde wohl selbst ein hochentwickelter Computer Milliarden Jahre brauchen. 

Wie Sie dennoch einen günstigen Flug bekommen 

Obwohl ein Passagier nicht durchschauen kann, wie genau eine Airline ihre Ticketpreise festlegt, kann er dank einigen Hinweisen mit hoher Wahrscheinlichkeit einen günstigen Flug erhalten. Am Dienstag oder Mittwoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein preiswertes Flugticket am Grössten. Die Chance erhöht sich, wenn ein Passagier den Flug zu unüblichen Zeiten (beispielsweise früh morgens oder mitten in der Nacht) bucht. Mitunter kann es sich auch auszahlen, einen ausländischen VPN-Client zu nutzen und sämtliche Cookies im Internetbrowser auszuschalten.